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Goethes Werther und heutige Massenmedien

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Medien prägten schon immer das gesellschaftliche Leben. Eines der prägendsten Bücher ist Johann Wolfgang Goethes Briefroman „Die Leiden des jungen Werther“, das im 18. Jahrhundert, zu einer Art  Medien geprägter Jugendbewegung führte. Goethes eigene Zusammenfassung beschreibt den Inhalt  als „Eine Geschichte …, darin ich einen jungen Menschen darstelle, der, mit einer tiefen reinen Empfindung und wahrer Penetration begabt, sich in schwärmende Träume verliert, sich durch Spekulation untergräbt, bis er zuletzt durch dazu tretende unglückliche Leidenschaften, besonders eine endlose Liebe zerrüttet, sich eine Kugel vor den Kopf schießt.“(Goethe an Gottlieb Friedrich Ernst Schönborn, 1. Juni 1774). Die Geschichte einer unglücklichen Liebe, die so tragisch endete, bewegte vor allem die Jugend der damaligen Zeit, besonders die jungen Männer. „Die Leiden des jungen Werther“ waren so etwas wie der erste Bestseller, und es entstanden auch erste Fan-Artikel, zum Beispiel eine „Werther-Tasse“, ein „Eau de Werther“ und die passende blaugelbe „Wertherkleidung“, in der viele Jugendliche die Tat nachahmten und Suizid begingen. Seit den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts wird das Phänomen von „Suiziden durch Nachahmung von (fiktionalen) Vorbildern in den Medien“ (http://www.rz.uni-karlsruhe.de/~rj03/werthereffekt.html), das unter dem Namen „Werther-Effekt“ bekannt ist, in der Psychologie genauer untersucht.

Doch „Werther“ ist nur ein prägendes Beispiel früher Mediengeschichte. Im Verlauf der Jahrhunderte wurden verschiedene Fälle solcher Beeinflussung durch Medien bekannt. Da Medien zunehmend wichtiger werden und in den letzten hundert Jahren ein wahrer Boom im Medienbereich erfolgte, ist dieser Bereich ein ständig wachsendes Forschungsfeld. Besonders stark betroffen von der medialen Beeinflussung  sind heute Kinder und Jugendliche in ihrer Orientierung. Vor allem die Werbung nutzt die Suche der Kinder und Jugendlichen nach der richtigen Orientierung und Zugehörigkeit aus.

In der zweiten Hälfte des 20 Jahrhunderts macht sich eine rasante Entwicklung des immer stärker werdenden Einflusses der Medien auf die Jugend bemerkbar. Grund dafür sind ständige Neuentwicklungen der Informationstechniken. Erst 1988/89 wurde die erste Internet- Anbindung an deutschen Hochschulen vollzogen und bis heute nutzt bereits über die Hälfte der Weltbevölkerung das Internet, welches neben dem Fernsehen wohl eines der größten Werte, Normen und Wissensvermittler für die Kindheit und Jugend darstellt. „Das Internet ist zwar ein Massenmedium, es wird aber vor allem zur Individualkommunikation genutzt (das versenden von e-Mails bleibt die häufigste Verwendung bei Jung und Alt), aber auch das ziellose Surfen erfreut sich hoher Beliebtheit, erst an dritter Stelle wird das Internet als Auskunftsmedium eingesetzt.“(Lukesch, H.& Peez, H. (2001), S. 226). Zudem fühlen sich besonders Jugendliche zu Musikmedien hingezogen. Für Kinder und Jugendliche sind diese Medien Teil ihres Alltags und sie eignen sich Fähigkeiten an, sogenannte Medienkompetenzen, um mit ihnen umzugehen.