So fühlt es sich an. Es scheint ein weiterer Themenaufschwung von statten zu gehen im Themenbereich Werte. Bemühungen wie das Wertebündnis Bayern, oder Wertebildung in Familien im schulischen Bereich, aber auch im Umfeld von orginaisationen (hier vor allem im Bereich gesellschaftliche Verantwortung, z.B. CSR Deutschland) machen dies deutlich, aber auch die – oft überspannte- mediale Darbietung von Werten (Übrigens gibt es interessante Bemühungen, wie Sie in der Wirtschaftskrise mit den Werten werben können…schaltet man den Fernseher ein, wirkt es, als würde das momentan sehr ernstgenommen, explizit wie implizit).

Werte sind Trend. Wie Neonpink im Frühjahr.

Was mich jedoch bei der Durchsicht der Literatur zum Themenbereich Werte mittlerweile doch etwas negativ stimmt, ist die Vermischung der Begriffe bzw. der Umgang damit. Werteorientierung, Werthaltung, Wertebildung, Wertvermittlung, Wertebildung, Werterziehung… vieles wird vermischt, oder aber auch theoretisch so im Detail diskutiert, dass der eigentliche Sinn dahinter erst recht veborgen bleibt.

Nun gut, einfach ist es nicht um Werte oder auch deren Förderung zu diskutieren, denn darüber verbirgt sich auch die Moral und die Ethik,darunter noch die Handlung und die Entscheidung, welche meist in gleichem begrifflichen Aufwasch genannt werden.

Unethisches Verhalten lässt Glaub- und Vertrauenswürdigkeit verlieren, da ist man sich einig, wie sich an der Bankenkrise oder medizinisch fragwürdigen Entscheidungen zeigt (da sind sie wieder die Begrifflichkeiten…).  Meist haben sich Personen/Organisationen Werte  auf die Fahne geschrieben, nur mit der richtigen Handlung klappt es nicht so ganz. Dann wird auch der Ruf nach Vorbildern laut, aber auch jedes Vorbild kann nicht genau sagen, ob es die richtigen Werte hat. Denn es gibt einen wichtigen Punkt: Werte sind abhängig von der Sache.

Weiterhin festzuhalten bleibt, dass eine reine Vermittlung zu wenig ist. Vermitteln bedeutet also nach Reinmann (2013), bestehendes Wissen in irgendeiner Form darzustellen und weiterzugeben. Doch reicht das? Werte kennen und für richtig zu halten, bedeutet noch nicht, die reflektieren zu können, geschweige denn richtig zu Handeln (nun, was ist richtig Handeln wohl?). Methoden und Materialien bei Lernen (bilden, erziehen..) von Werten sollten so gestaltet sein, dass vielfältige Möglichkeiten der Auseinandersetzung mit Werten geboten werden. Dazu ist sicherlich die Arbeit an Fällen (Zumbach, Haider & Mandl, 2008) anhand von Dilemma-Situationen hilfreich (zu finden meist unter Begrifflichkeiten der moralischen Urteilsfähigkeit (Kohlberg 1976, Lind, 2011). Dazu bald mehr an dieser Stelle…

Gleich bleibt dieser Apell, Werte sollen helfen, sie geben Orientierung. Es geht jedoch darum, zu wissen, wie sie wann und wo richtig anzuwenden sind.

 

Literatur:

Kohlberg, L. (1997). Die Psychologie der Moralentwicklung (2nd ed.). Suhrkamp-Taschenbuch Wissenschaft: Vol. 1232. Frankfurt am Main: Suhrkamp.

Lind, G. (2011). Moralerziehung. In E. Kiel &. K. Zierer (Ed.), Basiswissen Unterrichtsgestaltung (pp. 39–50). Baltmannsweiler: Schneider-Verl. Hohengehren.

Schubarth, W., Speck, K., & Berg, H. von (2010). Wertebildung in Jugendarbeit, Schule und Kommune: Bilanz und Perspektiven: VS Verlag für Sozialwissenschaften.

Reinmann, G. (2013). Studientext Didaktisches Design. Abrufbar unter http://lernen-unibw.de/sites/default/files/studientext_dd_april13.pdf (zuletzt abgerufen am 10.05.13)

Zumbach, J., Haider, K. & Mandl, H. (2008). Fallbasiertes Lernen. In Zumbach, J. &. Mandl H. (Ed.), Pädagogische Psychologie in Theorie und Praxis. Ein fallbasiertes Lehrbuch (pp. 1–11). Göttingen: Hogrefe.